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Spezifisch phonetische Forschungsverfahren




Neben den Forschungsmethoden, die nicht nur in Phonetik, sondern auch in

Lexikologie, Grammatik, Stilistik Verwendung finden, gibt es spezifischphonetische Verfahren, die auf das Erlernen der Laute als Schallwellen und die Artikulationsfeinheiten zielen. Darunter unterscheidet man

Ø A b h ö r m e t h o d e n , die auf Wahrnehmung der phonetischen Gebilde beruhen;

Ø e l e k t r o a k u s t i s c h e A n a l y s e , d.h. das Zerlegen der Schallwelle in ihre akustischen Bestandteile: Zeit, Frequenz, Amplitude;

Ø p h y s i o l o g i s c h e M e t h o d e n ,die Bewegung und Spannung einzelner Muskeln bei der Produktion von Lauten zeigen.

Die Abhörmethode setzt (bei Bedarf mehrmalige) Wahrnehmung eines Ausspruchs oder seines Teils voraus, um z.B. Pausen festzustellen und ihre Länge zu bewerten, um Betonungen zu ermitteln und nach Stärke zu differenzieren, um Melodiebewegung zu verfolgen usw. Zum Abhören werden Segmente mit ausgetauschten Lauten, Silben oder Wörtern angeboten, ganze Texte oder ihre Abschnitte. Gliederung längerer Textpassagen in kürzere Teile nennt man Segmentation.

Das Abhören ist die wichtigste Methode für die linguistische Bewertung aller ermittelten phonetischen Unterschiede: Sprachlich relevant ist das, was das Ohr unterscheidet.

Um den Redestrom in seine akustischen Bestandteile zu zerlegen, verwendet man die Oszyllographie (s. Abb. 10), heute gekoppelt mit dem Computer:

Abb. 10. Registrierstreifen des Ausspruchs Sein Vater ist Maler?

Die innere Struktur der Laute, ihre inhärenten Frequenzbereiche (Formanten) werden bei der Spektralanalyse der Schallwelle registriert (s. Abb. 11).

Abb. 11. Sonogramm der Laute im Wort ansehen (nach G. Lindner)

 

Die Sprachsynthese befasst sich mit der künstlichen Produktion von Texten: Der Apparat nimmt Frequenz, Dauer und Amplitude einzelner Laute und mixt daraus Wörter und ihre Kombinationen. Damit der Text natürlich klingt, müssen jedoch prosodische Eigenschaften dazukommen: Satzbetonungen, Pausen, Melodiebewegung, bestimmtes Tempo usw. Das ist eine wichtige praktische Herausforderung für die Phonetik und Elektronik: Gute Redesynthese würde Tausenden blinder Menschen in Form von Hörbüchern den Zugang zu den Werken öffnen, die sie jetzt nicht lesen können.

Unter physiologischen Forschungsmethoden kann man die Palatographie nennen Ermittlung genauer Artikulationsstelle des Lautes, die Miographie, die Spannung der Muskeln beim Sprechen fixiert, auch das Röntgen, das die Lage der Sprechorgane bei der Produktion von Lauten fixiertt, die wir nicht sehen können, und das Filmen, das Bewegung der sichtbaren Sprechorgane registriert.

Bei phonetischer Forschung werden in der Regel mehrere Methoden verwendet, die einander ergänzen.

 

TEIL 2: PHONETISCHES GLOSSARIUM

A

Abglitt, der Endphase der Artikulation, in der die Sprechorgane zum nächsten Laut übergehen.

Abhörmethode,die auditive Bewertung der Eigenschaften mündlicher Texte bei phonetischer Forschung.

Affrikate, die der Verschlussengelaut: der Verschluss zweier Sprechorgane geht schnell in eine Enge über: [′pfaifņ].

akzent-melodische Strukturder Äußerung, die Folge der betonten und unbe-tonten Silben im Ausspruch und Bewegung der Melodie im Zusammenhang damit.

Alliteration,die Wiederholung anlautender Konsonanten in mehreren Wörtern in einem Satz: Zeitung zeigt Zähne. Wissen, was wichtig wird.

Allomorph,das phonetische Variante eines Morphems: du denk+st, arbeit+est.

Allophon,das(auch: Laut, Phonemvariante): Gesamtheit von relevanten und irrelevanten Merkmalen eines Lautgebildes, materielles Äquivalent des abstrakten Phonems.

Alphabet,dasGesamtheit der Buchstaben einer Sprache.

Alveole, die der Zahndamm: kleine Erhöhung im Mundraum hinter den Zähnen.

anterior im vorderen Mundraum gebildet.

Alternant, der (auch: das Allomorph): phonetische Variante eines Morphems: geh+st, ging, der Gang die Gäng+e.

Akkommodation, die gegenseitige Einwirkung der Laute verschiedener Klassen im Redestrom: der Vokale auf Konsonanten und umgekehrt.

Amplitude, die die Schwunghöhe der Schallwelle, von der die Lautstärke abhängt.

Anglitt, der Anfangsphase der Artikulation eines Lautes, in der die Sprechorgane sich in die entsprechende Stellung bewegen.

Anlaut, der der Laut am Wortanfang: aber.

Artikulationsart, die die Weise, wie ein Laut gebildet wird: durch die Sprengung eines Verschlusses, durch die Überwindung einer Enge, durch das Vibrieren eines Sprechorgans usw.

Artikulationsstelle, die unbeweglicher Teil des Sprechapparats, an den sich das artikulierende Organ nähert, um bei der Artikulation eines Konsonanten ein Hindernis für den Luftstrom zu bilden (die Alveolen, die Oberlippe, die Zähne).

Artikulator, der (auch: artikulierendes Organ): beweglicher Teil des Sprechapparats, der zusammen mit der Artikulationsstelle ein Hindernis für den Luftstrom bildet (Unterlippe, verschiedene Teile der Zunge, Zäpfchen).

artikulierende Organ, das s. Artikulator.

Assonanz, die Wiederholung gleicher betonter Vokale in mehreren Wörtern: Komm, liebes Kind, komm, spiel mit mir!

Aspiration, die behauchteAussprache der stimmlosen Verschlusssprenglaute am betonten Wortanfang und -ende: die Tat[tha:th].

Assimilation, die Angleichung eines Lautes an die anderen im Redestrom. Auch: Einwirkung der Laute gleicher Klasse aufeinander: Vokale auf Vokale und Konsonanten auf Konsonanten.

Auslaut, der Endlaut des Wortes: mit.

Auslautgesetz,dass. Auslautverhärtung.

Auslautverhärtung, die (auch: Auslautgesetz): stimmlose Aussprache der stimmhaften Konsonanten am Wort- oder Morphemende: Ber[g]e Ber[k].

Ausspruch, der (auch: Äußerung): Haupteinheit der Kommunikation; prosodisch gestaltete Lautkette, die einen abgeschlossenen Gedanken zum Ausdruck bringt.

Äußerung, die s. Ausspruch.

 

B

Baudouin de Courtenay, I.A. polnischer und russischer Sprachwissenschaftler, Professor an der Universität Kasan, später Petersburg; legte den Grundstein zum Strukturalismus und zur Phonemlehre.

Betonung, die Hervorhebung eine Elements über die anderen: be´ginnen.

bilateral zweiseitig, beiderseitig; bilaterales Sprachzeichen Verbindung zwischen Inhalt und Form.

Binnenlauf, der (auch: rhythmischer Körper): Teil der akzent-melodischen Struktur des Ausspruchs von der ersten bis zur letzten betonten Silbe: Da´nach ´war er einige ´Jahre in Af´´´ghanistan.

biphonematisch aus zwei Phonemen bestehend: [kn], [ks].

Buchstabe,dergraphisches, schriftliches Zeichnen für ein Phonem.

 

D

Dauer, die wahrgenommene Zeit, Länge eines Sprechsegmentes.

delimitativ trennend, abgrenzend, gliedernd (z.B., fester Einsatz oder Pause).

dental an den Zähnen gebildet: [f], [v].

diakritische Zeichen,dasSymbol für zusätzliche Eigenschaften eines Lautes

(z.B., Doppelpunkt für die Vokallänge [a:] oder [¢ ] für die Betonung).

Diphthong, der vokalischer Zwielaut, der durch die gleitende Artikulation entsteht ([ai], [au]) und den Wert eines Phonems besitzt.

dipodische Rhythmus, der (auch: integrierenderRhythmus: stärkere Hervorhebung wichtigerer Takte im Redestrom im Vergleich zu den weniger wichtigen.

Distribution, die Verteilung der Laute in der Sprache.

Dialekt, der regionale Variante der nationalen Sprache, die sich auf eine größere Gegend bezieht.

differenzierend unterscheidend, wesentlich für den Inhalt.

distante Assimilation, die (auch: Fernassimilation): Einwirkung eines Lautes auf einen anderen, der von ihm durch einige Laute getrennt ist: mächtig.

distinktiv (auch:phonologisch, relevant): unterscheidend, wesentlich für die Bedeutung: [das] [nas].

dorsal mit der Zungenwurzel (Hinterzunge) gebildet: [x], [k].

dynamische Wortbetonung, die Hervorhebung der betonten Silbe durch die Verstärkung ihrer Intensität.

dynamische Rhythmus, der rhythmische Regelung des Redestroms, die durch den Inhalt des Textes, durch die besonderen Akzente des Sprechers entsteht.

 

E

elektro-akustische Analyse,diephonetisches Forschungsverfahren, bei dem die Schallwelle in die akustischen Bestandteile zerlegt wird: Zeit, Frequenz, Intensität.

emphatische Betonung, die auffallende, gefühlsmäßige Hervorhebung einzelner Begriffe im Ausspruch.

Engelaut, der (auch: Reibelaut, Engereibelaut, Frikativa oder Spirant): Konsonant, der durch das Reiben des Luftstroms in einer Enge entsteht, die zwei Sprechorgane bilden: [s], [f], [v] u.a.

Enklise,dieunbetonte Silben im rhythmischen Takt nach der betonten: Mit deiner ´guten /´Aussprache/ kannst du Pho´´´netik lehren.

Epenthese,die Einfügungeines Elementesin das Wort bei der Veränderung seiner grammatischen Form: er entwort+et, du bad+est.

ethymologische Akzent, der Hervorhebung des bedeutungswichtigsten Elementes im Wort: ´annehmen, ´abnehmen, ´zunehmen, ´wegnehmen.

Explosiva, die (auch: Sprenglaute, Verschlusslaute): Konsonanten, die durch die Sprengung des Verschlusses zwischen zwei Sprechorganen entstehen: [p], [b] u.a.

expressive Funktion der Sprachmittel, die Ausdruck von Gefühlen des Sprechers.

F

fallende rhythmische Takt, der Takt, der mit einer betonten Silbe beginnt und mit unbetonten endet: ´Ahnungslos /´ ´atmete er/ das ´Gift ´´´ein.

Fernassimilation, die (auch: distante Assimilation): Angleichung der Laute, die nicht nebeneinander liegen, sondern durch einige andere Laute voneinander getrennt sind: nächtlich.

Fokus, der (auch: emphatische Betonung): zusätzlich stark hervorgehobene, inhaltlich besonders wichtige Elemente im Ausspruch: ´´´Weinen tut er ´´´nie. ´´´Allein gehe ich dorthin ′′′nicht.

Form,die (auch: materieller Zeichenkörper, Formativ): Laut- oder Buchstaben-folge, die einen Denkinhalt materialisiert, ihn hörbar oder sichtbar macht.

Formant, der die Klangfarbe bestimmender, stark hervortretender Teilton, der durch die Eigenschwingung von Hohlräumen gebildet wird.

Formativ, das auf die Gestaltung bezüglich, formbildend.

Fortis,die stimmloser, ohne Stimmton gebildeter Konsonant: [k], [s].

Frequenz, die Zahl der Schwingungen der Schallwelle pro Sekunde (Hz).

freie Wortbetonung, die Betonung, die an keine bestimmte Silbe im Wort gebunden ist, die auf die erste, zweite, dritte usw. Silbe fallen kann: ´-,

-´, --´.

frikativ durch das Reiben des Luftstroms an ein Hindernis entstehend, in einer Enge gebildet.

 

G

gebundeneWortbetonung, die Betonung, die immer auf dieselbe Silbe im Wort fällt: auf die letzte im Französischen, auf die vorletzte im Polnischen usw.

Gemination,dieDoppelgipflichkeit und Verlängerung des Konsonanten an der Wort- oder Morphemgrenze, wenn zwei gleiche Konsonanten aufeinander treffen: Auffahrt, Annahme, Abbild.

geschlossene Silbe, die Silbe, die mit einem oder einigen Konsonanten endet: Wis-sen, Gren-zen, Wort.

Graphem,dasein Buchstabe oder eine Buchstabenkombination, die ein Phonem bei dem Schreiben bezeichnet (z.B.: oben, Ohr, Moos)

Grammatik,die Teilsystem der Sprache, Gesamtheit von Regeln zur Veränderung und Verbindung der Wörter beim Sprechen.

grammatische Akzent, der Wortbetonung, welche die grammatischen Formen unterscheidet: ´ ´, ´ ´.

Grundzüge der Phonologie(1939) klassisches Werk der Phonologie von
N. Trubetzkoy, in dem die Grundlagen dieses Wissenszweiges formuliert sind.

H

Hauptbetonung, die Hervorhebung des wichtigeren Stammes im zusammengesetzten Wort oder des wichtigsten Wortes im Ausspruch: der ´Haupt-bahnhof, die ´Tonhöheveränderung. Der ´Zug fährt in drei Mi´nuten ´´´ab.

Hemmlaut, der (auch: Hindernislaut, Konsonant): Laut, bei dessen Bildung der Luftstrom auf ein Hindernis im Mundraum stößt.

heteromorphemisch aus mehreren Morphemen bestehend: aus+fall+en.

Hesitation, die Pause, die an falscher Stelle im Ausspruch entsteht und den Sinneszusammenhang zerreißt: An dies... an seiner Stelle e-e-e könnte man...

Hindernislaut,der s. Hemmlaut,Konsonant.

Hochlautung, die (auch: Standardaussprache oder Orthoepie): literarische, allgemein akzeptierte und angestrebte Aussprache im Deutschen.

 

I

identifizierend erkennungshelfend, als Hilfe beim Erkennen dienend.

indistinktiv nicht wesentlich für die Bedeutung, nichtbedeutungs-unterscheidend.

Inhalt,der(auch: Zeichenbedeutung): psychischer, ideeler Sachverhalt, der Zusammenhänge der Objekte in der Realität widerspiegelt.

Inlaut, der Position des Lautes mitten im Wort: bist.

integrierende Rhythmus,der s. dipodischer Rhythmus.

Intensität, die Stärke, Kraft, Spannung; dynamische Eigenschaft der Schallwelle, die hinter der Lautstärke steht.

Intervall, das Abstand zwischen zwei Tonhöhe- oder Intensitätspunkten.

Intonation, die Gesamtheit der prosodischen Eigenschaften des Redestroms
(in der westlichen Linguistik auch Synonym für Melodie).

Intonem, das sinnunterscheidende tonale Struktur der Äußerung (Kombination von Richtung der Melodie und tonalen Intervallen).

irrelevantunwesentlich, ohne Folgen für die Wortbedeutung (z.B., die Behauchung im Deutschen); etwas, was die Wortbedeutung nicht verändert.

 

J

Jakobson, Roman russischer, später amerikanischer Linguist, enger Mitarbeiter von N. Trubetzkoy, der aktiv die Phonologie entwickelte. Zusammen mit seinen amerikanischen Kollegen M. Halle und G. Fant ergänzte er die artikulatorischen phonologischen Merkmale von N. Trubetzkoy durch ihre akustischen Korrelate.

Jones, Daniel englischer Sprachwissenschaftler, Zeitgenosse von N. Trubetzkoy; hat seine eigene Phonemlehre entwickelt.

 

K

Kadenz, die Teil des Ausspruchs, der die letzte betonte und die folgenden unbetonten Silben im Ausspruch (den Nachlauf) umfasst: Das ´hast du mir aber

ver ´´´sprochen!

Klangfarbe, die (auch: Timbre): spezifische Färbung der Stimme durch die Obertöne.

Koartikulation, die zusätzliche Artikulation, die ein Laut von den Nachbarlauten übernimmt.

kombinatorische Lautmodifikationen Lautveränderungen im Redestrom, die durch die Einwirkung der Nachbarlaute entstehen: Labialisation, Palatalisation.

komplementär ergänzend, z.B. [x] und [ς] im deutschen Konsonantensystem.

Kommunikation, die Verständigung zwischen den Menschen, gegenseitiger Gedankenaustausch.

Konsonant, der (auch: Mitlaut, Hemm- oder Hindernislaut): Laut, bei dessen Bildung der Luftstrom im Mundraum auf ein Hindernis stößt: [x], [t].

konstitutiv bildend, zu einer Ganzheit integrierend.

koronal mit der Vorderzunge gebildet.

kulminativ gipfelbildend: be′tonen.

 

L

labial mit Beteiligung der Lippe gebildet: [m], [b], [p], [f], [v], [pf].

Labialisation, die zusätzliche Lippenrundung bei der Aussprache eines nicht gerundeten Lautes unter der Einwirkung eines runden Nachbarlautes: [b◦u:x].

lateral an den Zungenseiten gebildet: [l].

laryngal im Kehlkopf gebildet: [h]

Laut,der das kleinste Segment des Wortes, das man getrennt aussprechen kann: [n], [p], [v].

Lautstärke, die wahrgenommene Amplitude der Schallwelle.

Lautmalerei, die Wörter, die Naturgeräusche nachahmen: bellen, miauen, muhen, summen, knarren usw.

Lautsymbolik, die eine alte Lehre vom Zusammenhang zwischen dem Laut und seiner Wirkung auf das Unterbewusstsein des Menschen.

Lautwandel, der historische Veränderung des Lautbestandes eines Wortes: skola(lat.) → Schule.

Lenis,die stimmhafter, den Stimmton enthaltender Konsonant.

Lexikon,das Teilsystem der Sprache, ihr Wortschatz.

Liquida, die fließender Laut: [l], [r].

 

M

markiert merkmalstragend, mit einem Merkmal versehen (z.B., [a:] ist merkmalstragend nach der Länge, d.h., der Vokal besitzt dieses Merkmal).

medial (auch: mediodorsal): mit der Mittelzunge gebildet: [ς], [j].

Melodie, die Veränderungen der Tonhöhe in der Zeit beim Sprechen.

Merkmal, das Bestandteil eines Objektes (Lautes, Wortes usw.).

Minimalpaar,daszweiKurzwörter, die sich nur durch ein Element unterscheiden (was Fass; wer - der).

Mitlaut, der s. Konsonant, Hindernislaut, Hemmlaut.

modale Funktion der Sprachmittel, die Ausdruck des subjektiven Verhaltens des Sprechers zum Inhalt der Äußerung (Sicherheit, Zweifel, Nachdruck usw.).

monomorphemisch aus einem Morphem bestehend: Dach, Holz, er.

monophonematisch aus einem Phonem bestehend: [p], [b], [d].

Monophthong, der einfacher Vokal, der bei stabiler Lage der Sprechorgane gebildet wird ([a], [y:], [u]).

Morphem, das die kleinste bedeutungstragende Einheit der Sprache: Wurzel, Suffix, Präfix, Endung.

Mundart, die - regionale Variante der Nationalsprache, die sich auf kleine Gegenden beschränkt.

musikalische Wortbetonung, die Hervorhebung der betonten Silbe durch die Veränderung der Tonhöhe (z.B., im Chinesischen).

Myographie, die Fixieren der Spannung einzelner Muskeln beim Sprechen.

 

N

Nachlauf, der Teil der akzent-melodischen Struktur der Äußerung nach der letzten betonten Silbe: ´Lass den ´Ball ´´´liegen!

Nasale, die Konsonanten, für die als Resonanzraum die Nasenhöhle dient: [m], [n], [ŋ].

Nasalisation,diespezifische nasale Färbung des Lautes, die dadurch entsteht, dass bei seiner Artikulation der Luftstrom völlig oder teils durch den Nasenraum entweicht: Ch[ã]ce.

Nebenbetonung, die schwache Hervorhebung des weniger bedeutenden Stammes im zusammengesetzten Wort: der ′Haupt*bahnhof, das ′Motor*rad.

negatives Intervall, das der folgende Punkt liegt höher als der vorhergehende (bei steigender Melodie).

Neutralisierung, die Aufhebung des phonetischen Kontrastes in bestimmten Positionen: Ta[g]e Ta[k]; brem[z]en brem[s]t.

nicht syntaktische Pause, die (auch: Hesitation): Pause, die mitten in einer syntaktischen Struktur, an falscher Stelle entsteht; Pause, die der syntaktischen Gliederung des Redestroms nicht entspricht: An dieser e-e-e- Stelle möchte ich betonen, dass

Nukleus, der (auch: Schwerpunkt): Hauptbetonung in der Äußerung.

 

O

obstruent Geräusch enthaltend, Geräuschlaute (stimmhafte und stimmlose).

offene Silbe, die Silbe, die mit einem Vokal endet: po-li-ti-sche Schrit-te.

Onset, das Anfangsrand: konsonantischer Teil der Silbe vor dem Vokal: [bal].

Opposition,dieGegensatz,Kontrast.

Orallaut, der Laut, bei dessen Bildung der Luftstrom durch den Mundraum entweicht.

Orthographie,dieRechtschreibung, Gesamtheit der Regeln zum Gebrauch von Graphemen und Satzzeichen einer Sprache.

Orthoepie,die (auch: Hochlautung, Standardaussprache): literarische Aussprachenormen, Gesamtheit der Regeln für die richtige, vorbildliche Aussprache.

 

P

Palatalisation, die Erweichung des Konsonanten durch die Verlagerung seiner Artikulationsstelle zum harten Gaumen unter dem Einfluss eines Vorderzungen-vokals: [K]ind, [G]egend, [T]üte.

partielle Assimilation, die nicht volle Angleichung der Laute im Redestrom: leichte Palatalisation, Labialisation, reduzierte Stimmhaftigkeit.

Pause, die kurze Unterbrechung, Schweigezeit beim Sprechen.

perzeptiv wahrgenommen durch die Sinne (auditiv, visuell, taktil usw.).

pharyngal - im Rachen gebildet.

Phonetik,die Lautlehre, Regeln zur Bildung und Verbindung von Lauten und deren größeren Folgen (Silben, rhythmischen Takten, Syntagmen) beim Sprechen.

Phonem, das Bündel von relevanten Merkmalen des Lautes; die kleinste bedeutungsunterscheidende Einheit der Sprache.

Phoneminventar, das Gesamtheit der Phoneme einer Sprache.

Phonologie,dielinguistische Teildisziplin, Lehre vom Wert der Lautgebilde im Sprachsystem, vom ihrem Funktionieren in der Sprache.

Phonemvariante,die (auch: Allophon, Laut): Gesamtheit von relevanten und irrelevanten Merkmalen eines Lautgebildes; materielle, physikalische Repräsentanz eines Phonems.

phonetische Lautwechsel, der Wechsel von durch die Nachbarschaft oder Position modifizierten Lauten und nicht modifizierten in verschiedenen Formen des Wortes; lebendiger, motivierter, verständlicher Lautwechsel: le[b]en du le[p]st.

phonologisch (auch: relevant, distinktiv): wesentlich, wichtig, bedeutungs- oder sinnunterscheidend.

phonologische Lautwandel, der Veränderung der Laute in verschiedenen Formen des Wortes, die zur Bildung von grammatischen Formen oder zur Wortbildung dient (Umlaut, Ablaut, Vokalerhöhung, Konsonantenwechsel: schreiben Schrift).

Phonomorphologie, die linguistische Teildisziplin, die phonetische Modifikationen von Morphemen ermittelt: steh+en stan[t] stan[d] +en - stünd+e, die Ständ+e.

phonetische Stil,der Gesamtheit von phonetischen Merkmalen, die für mehrere Texte in gleichen Situationen typisch sind.

Phonostilistik, die linguistische Teildisziplin, die sich mit der Auswahl angemessener phonetischer Mittel für unterschiedliche Sprechsituationen befasst.

Phonotaktik, die Wissenszweig, der über die Verbreitung einzelner Laute in der Sprache und ihre möglichen und unmöglichen Verbindungen forscht.

plosiv (auch: explosiv, Verschlusslaut, Verschlusssprenglaut): durch die Sprengung des Verschlusses zweier Sprechorgane gebildet: [p], [b], [k].

physiologischen Forschungsmethoden, die Fixieren der Lage und Spannung von einzelnen Muskeln und Organen beim Sprechen.

podische Rhythmus,der (auch: isolierender Rhythmus): gleich starke Hervorhebung aller rhythmischen Takte im Redestrom.

positionell geschlossene Silbe, die Silbe, die mit einem Konsonanten endet, doch dieser Konsonant schwindet in der Silbe bei der Veränderung der Wortform: gehst ge-hen; Laut Lau-te.

positionellen Lautmodifikationen,die Lautveränderungen im Redestrom, die durch die Stellung des Lautes im Wort (Anlaut, Inlaut, Auslaut) oder Betonung verursacht werden: fester Einsatz, Behauchung, Reduktion u.a.

positive Intervall,das der folgende Punkt liegt tiefer als der vorhergehende (bei der fallenden Melodie).

postalveolar am hinteren Rand der Alveolen gebildet: [∫], [ჳ].

postdorsal mit dem hinteren Zungenrücken gebildet: [x], [g] u.a.

postpalatal (auch: velar): am weichen Gaumen gebildet: [k], [x], [ŋ].

präpalatal am harten Gaumen gebildet: [j], [ς].

Proklise, die unbetonte Silben im rhythmischen Takt, die vor der Betonung liegen: Mit deiner´guten /´Aussprache/ kannst du Pho´´´netik lehren.

prosodisch über den Lauten liegend (Betonung, Tonhöhe, Pausen, Tempo usw.).

Prosodem, das Bündel der relevanten prosodischen Merkmale einer Äußerung; Struktur der prosodischen Merkmale, die den Sinn einer Äußerung von dem einer anderen mit demselben Lautgehalt unterscheidet.

Prosodie, die Sammelbegriff für alle sprachlich-artikulatorischen Erscheinungen, die über den Lauten liegen; Gesamtheit von akustischen Eigenschaften der Rede (Zeit, Frequenz, Amplitude).

 

Q

Qualität, die Grad der Geschlossenheit oder Gespanntheit der Vokale.

quantitative Wortbetonung, die Hervorhebung der betonten Silbe durch ihre Dehnung (z.B., im Russischen oder Belarussischen).

Quantität, die Dauer der Sprechlaute, Zeit ihrer Artikulation.

 

R

Reduktion,die Kürzung, Raffung der Lautdauer.

redundant nicht unbedingt notwendig; Merkmal, das anwesend sein oder fehlen kann: Die Bedeutung des Wortes verändert sich dadurch nicht.

Reim, der Wiederholung gleicher Endsilben in Verszeilen:

Ich kann nicht mehr die Augen schließen,

Und meine heißen Tränen fließen.

relevant (auch: phonologisch, distinktiv):wesentlich, wichtig, bedeutungs- oder sinnunterscheidend.

repräsentativ stellvertretend für eine ganze Gruppe, mit typischen Merkmalen dieser Gruppe versehen.

Resonanzraum, der Teil des Sprechapparats, in dem der Ton verstärkt oder modifiziert wird (Nasenraum, vorderer oder hinterer Mundraum).

rhythmische Betonung, die schwache Hervorhebung weniger wichtiger Wörter in der Äußerung.

rhythmische Phrase, die s. Syntagma, Sinnschritt, Sprechtakt.

rhythmische Takt, der (auch: rhythmische Gruppe, phonetisches Wort oder die kleinste Akzenteinheit): Folge aus einer betonten Silbe und einer oder mehreren unbetonten, die das hervorgehobene Segment begleiten: ´Denk ich /an ´Deutschland/ in der ´Nacht, / so ´bin ich/ um den ´Schlaf/ ge´bracht.

rhythmische Wortakzent, der (auch: gebundene Betonung): Wortbetonung, die immer auf dieselbe Silbe im Wort fällt und dadurch dem Text einen bestimmten Rhythmus verleiht.

Rhythmus, der regelmäßige Wiederkehr gleicher oder ähnlicher Strukturen im gesprochenen Text.

 

S

Satellit,dereinKonsonant oder einige Konsonanten, die den Vokal in einer Silbe begleiten: Kopf.

Satzbetonung,die stärkere oder schwächere Hervorhebung einzelner Wörter in der Äußerung, je nach ihrem Wert für den Sinn des Ausspruchs.

Saussure,Ferdinand de schweizerischer Sprachwissenschaftler, besonders bekannt durch seine Vorlesungen zur Zeichentheorie und Systemtheorie. Begründer des Strukturalismus in der Linguistik.

Schwerpunkt, der Hauptbetonung im Ausspruch beim neutralen Sprechen: Das wusste er ```immer.

segmentale Sprachebene, die Folge von Lauten im Redestrom.

Sonorität,dieBeteiligung der Stimme an der Bildung der Sprechlaute.

sonor nur aus dem Ton bestehend, ohne Geräusch: [m], [n], [l], [r], [ŋ].

Silbe, die die kleinste natürliche Sprech- und Wahrnehmungseinheit der Sprache, die meist aus einem Vokal und einem oder mehreren Konsonanten besteht.

Silbenkern, der der silbenbildende Vokal (seltener sonorer Konsonant).

Silbenmodell, das Folge von Konsonanten und Vokalen in einer Silbe: Obst = VKKK; Ball = KVK.

Silbentyp, der vokalischer (offene Silben: Schu-le) oder konsonantischer (geschlossene Silben: Kost, Bild) Ausklangder Silbe.

Sinnschritt, der s. Syntagma.

Sprache, die ein System von Sprachzeichen und Regeln für deren Gebrauch; Gesamtheit von Teilsystemen: Wortschatz, Grammatik und Phonetik.

Sprechtakt, der s. Syntagma, Sinnschritt.

Sprachzeichen, das bilaterale Einheit, die Inhalt und Form besitzt.

Sprechen,das menschliche Tätigkeit, Prozess der Umsetzung der ideelen Denkinhalte in marerielle Formen Äußerungen und Texte.

Sprechsituation, die Gesamtheit von außersprachlichen Faktoren (Inhalt der Rede, Bereich, psychologische und soziale Eigenart des Sprechers), die die Auswahl der Sprachmittel für die Kommunikation bestimmen.

Standardaussprache,die s. Hochlautung, Orthoepie.

statische Rhythmus,der rhythmische Regelung des Redestroms, die sich automatisch aus der Akzentstruktur der Sprache ergibt.

steigende rhythmische Takte Takte, die mit einer betonten Silbe enden: in der ´Nacht, bis zu´letzt.

stilistische Funktion der Sprachmittel, die Markierung der Beziehungen (offiziell/inoffiziell) zwischen den Sprechpartnern.

stimmhaft mit Beteiligung des Stimmtons neben dem Geräusch: [b], [d], [g].

stimmlos nur aus Geräusch bestehend, ohne Stimmton: [p], [f], [s].

Strukturalismus,derlinguistische Richtung, die sich zum Ziel setzte, die Bestandteile und den inneren Aufbau des Sprachsystems zu ermitteln.

suprasegmentale Sprachebene, die Eigenschaften der Rede, die über den Lauten liegen: Betonung, Dauer, Tonhöhe, Lautstärke.

syllabische Sprachen Sprachen, in denen die Silbe die kleinste phonetische Einheit ist, z.B. Chinesisch.

Synkope, die (auch: Tilgung): Schwund eines Lautes bei der Veränderung der Form: teuer-teurer.

Syntagma, das (auch: Sprechtakt, Sinnschritt oder rhythmische Phrase): das kleinste sinntragende Segment der Rede; ein Wort oder einige miteinander verknüpfte Wörter, die einen Teilgedanken zum Ausdruck bringen.

syntaktische Funktion der prosodischen Mittel, die Markierung der Abgeschlossenheit oder Nichtabgeschlossenheit des Redesegments.

syntaktische Pause,diekurze Schweigezeit an der Stelle der syntaktischen Gliederung des Textes: Bei seinem letzten Aufenthalt in Berlin / hat er dieses Geschäft / nicht erledigen können//.

Synthese, die künstliche Produktion von mündlichen Texten durch Computer.

 

T

Tempo, das Geschwindigkeit der Rede, Zahl der Silben pro Minute oder Laute pro Sekunde.

Tilgung, die (auch: Synkope): Schwund eines Vokals oder Konsonanten in dem Inlaut des Wortes bei der Veränderung seiner Form: angeln der Angler.

Tonhöhe, die wahrgenommene Frequenz der Schallwelle.

totale Assimilation, die volle Angleichung eines Lautes an den anderen: kumber Kummer.

Transkription,dieSystem von Symbolen für Phoneme und diakritischen Zeichen für zusätzliche Eigenschaften der Laute, das es ermöglicht, die genaue Lautung jedes Sprechsegmentes (Silbe oder Wortes) zu fixieren.

Trubetzkoy, N. S. hervorragender russischer Wissenschaftler, aktives Mitglied des Prager Linguistischen Zirkels; Begründer der Phonologie.

 

U

unmarkiert ohne Merkmal, merkmallos (z.B.: [a] ist unmarkiert nach der Länge, d.h., der Vokal besitzt dieses Merkmal nicht).

uvular mit dem Zäpfchen gebildet.

 

V

Variation,dieVeränderung, Annahme einer anderen Form.

variabel veränderlich, nicht stabil.

velar am weichen Gaumen gebildet.

Velarisierung, die Verschiebung der Artikulationsstelle des Lautes nach hinten unter dem Einfluss der hinteren Nachbarlaute: Bü[V]er Bu[x].

Verschlusssprenglaut, der Laut, der durch die Explosion des Verschlusses zwischen der Artikulationsstelle und dem Artikulator entsteht: [p], [b], [k], [d].

Verschlussengelaut, der (auch: Affrikate): Laut, der dadurch entsteht, dass der Verschluss zwischen dem Artikulator und der Artikulationsstelle in eine Enge übergeht: [pf], [ts], [t∫].

Verschlussöffnungslaut, der Laut , der dadurch entsteht, dass der durch den Verschluss gesperrte Luftstrom im Mundraum einen anderen Weg findet: durch den Nasenraum oder an den Seitenrändern der Zunge: [m], [n], [ŋ], [l].

Versfuß, der Wiederholung der betonten Silbe nach der gleichen Zahl der unbetonten; Grundlage der poetischen Rede.

Vokal, der Tonlaut, der ohne wesentliche Hindernisse für den Luftstrom im Mundraum entsteht.

Vokalharmonie, die Assimilationsprozess, bei dem alle Vokale innerhalb des Wortes in mindestens einer phonetischen Eigenschaft übereinstimmen (Türkisch, Finnisch, Ungarisch). Im Deutschen zeigt sie sich als partielle Angleichung des reduzierten [ә] in den unbetonten Silben an die Höhe des betonten Vokals in demselben Wort.

Vokalviereck, das schematische Darstellung der Vokale, die sie nach der Zungenreihe und Zungenhebung systematisiert.

Vorlauf, der unbetonte Silben im Ausspruch, die vor der ersten Betonung liegen: Bei´starkem ´Sturm ´sollte man lieber im ´´´Haus bleiben.

W

wortabgrenzenden Mittel, die Laute oder prosodische Merkmale, die den Anfang oder das Ende des Wortes signalisieren (fester Einsatz, reduziertes [ә], gebundene Betonung, leichte Dehnung der letzten Silbe im Wort, kleinere Lautstärke usw.).

Wortbetonung, die Hervorhebung einer Silbe im Wort über die anderen.

 

Z

Zahndamm, der (auch: die Alveolen): kleine Erhöhung hinter den Zähnen.

Zäsur, die kurze, mit Spannung gefüllte Pause innerhalb einer Äußerung.

Zitterlaut,der Laut, der durch das Vibrieren eines Sprechorganes entsteht: [r].

Zungenreihe,diehorizontale Bewegung der Zunge bei der Aussprache der Vokale (nach vorn oder nach hinten).

Zungenhebung, die vertikale Bewegung der Zunge bei der Artikulation von Vokalen (nach oben oder nach unten).

 

 




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